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Praxisbeispiele

Inklusionscoaching „live“

Herr G. ist 58 Jahre alt und von Geburt an gehörlos (Name geändert). Vor vielen Jahren ist außerdem das Usher-Syndrom bei ihm diagnostiziert worden. Herr G. hat nach dem Schulabschluss als Drucker gearbeitet. Irgendwann hat er es nicht mehr geschafft, weil die Augen immer schlechter wurden. Seit ca. 7 Jahren bekommt er nun eine Rente.

Herr G. lebt noch in dem Haushalt seiner Eltern; der Vater ist vor 5 Jahren gestorben, die Mutter ist schon über 80 Jahre alt. Herr G. hatte schon immer wenig Kontakte zu anderen gehörlosen Menschen, meistens war er nur mit seinen Eltern zusammen und mit deren Bekannten. Die Eltern haben nie Gebärden gelernt und Herr G. selbst hat die Gebärdensprache auch wenig benutzt. Zu Hause hat Herr G. bei den Eltern die Sprache vom Mund abgesehen. 

Nun wurden die Augen im letzten Jahr so schlecht, dass er nichts mehr erkennen konnte. Herr G. konnte keine Sprache mehr vom Mund absehen und er konnte Geschriebenes nicht mehr erkennen. Mutter und Sohn konnten sich nun überhaupt nicht mehr verständigen und miteinander sprechen. 

Beide kannten auch kaum Hilfsmittel und wussten nicht über Beratungsangebote, Selbsthilfegruppen etc. Bescheid. Ein Verwandter, der sich Sorgen machte, hat dann im Internet recherchiert und Kontakt zu uns aufgenommen.

Wir haben einen Termin für einen Besuch vereinbart und erklärt, welche Hilfen wir anbieten können. Zusammen haben wir überlegt, wo die Probleme liegen und besprochen, was wir als nächstes tun könnten. Die Kommunikation mit Herrn G. selbst war jedoch schwierig. Beim 2. Besuch haben wir dann zur Probe ein iPad mitgebracht. Mit dem iPad kann man auch schreiben wie auf einem Zettel, aber die Schrift ist beleuchtet. Das konnte Herr G. noch gut erkennen. So war zunächst „Erste Hilfe“ geleistet. 

Als nächstes haben wir angeboten, dass wir regelmäßig einmal in der Woche kommen und zusammen schauen, wie wir die Situation noch verbessern könnten. Die Kommunikation über das iPad hat gut funktioniert. Herr G. wünschte sich mehr Selbstständigkeit und interessierte sich dafür, wie er das entwickeln könnte. Bis jetzt verließ er nur zusammen mit seiner Mutter die Wohnung. Die Mutter kann jedoch ihren Sohn im Straßenverkehr nicht richtig führen oder ihm anders behilflich sein; sie hat das nie gelernt. Sie hält ihn nur fest und passt auf, dass Herr G. keinen Unfall erleidet. Das ist für beide mit Unsicherheiten und Stress verbunden.

Herr G. und seine Mutter haben dann das Angebot gerne angenommen, weiter Unterstützung zu erhalten. Das war vor einem halben Jahr. Nun bekommt Herr G. seitdem einmal in der Woche Besuch von einer Inklusionscoach. Er hat schon lormen gelernt, kann mit seinem iPad jetzt auch Emails schreiben und geht gemeinsam mit der Inklusionscoach einkaufen. Herr G. hat auch schon zwei Mal mit Begleitung Veranstaltungen der Selbsthilfe besucht. Dort hat er andere Betroffene kennen gelernt und erfahren, was Taubblindenassistenz ist. 

Herr G. ist noch sehr ängstlich und die Mutter immer sehr besorgt, aber langsam wächst das Selbstvertrauen. In kleinen Schritten kann Herr G. eigenständige Kontakte aufbauen und seine Welt mehr selbst bestimmen. Später hätte Herr G. gerne einmal eine eigene Wohnung. Er arbeitet also mit unserer Unterstützung weiter an dem Ausbau seiner vorhandenen Fähigkeiten und bekommt zusätzlich Empfehlungen für geeignete Trainings (Lebenspraktische Fähigkeiten, Mobilität (gehen mit dem Langstock), Brailleschrift etc.) 

Wer gerne mehr Informationen hätte oder einen persönlichen Termin mit uns vereinbaren möchte, kann sich bei Frau Jutta Gröning melden:

Tel: 0201/ 26677048

Mobil/SMS: 0159-01918440

tinka(at)gesellschaft-taubblindheit.de