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Fachtagung "Taubblind aktiv" am 20. April 2018

"Taubblind AKTIV"- Die Taubblinden (TBL) Selbsthilfe in NRW stellt sich vor

Bericht von der Fachtagung am 20.04.2018

Auf der Fachtagung "Taubblind AKTIV" trafen sich bei strahlendem Sonnenschein 150 Menschen im Haus der Technik in Essen. Sie tauschten sich zur Entwicklung der Selbsthilfe taubblinder Menschen in NRW aus. Die Selbsthilfe wird seit 2015 durch neue Initiativen gestärkt und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Eingeladen hatten die Verantwortlichen des Projekts „Taubblind sein – Selbsthilfe leben lernen“ in Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Taubblindheit gGmbH zusammen mit den Kooperationspartnern aus der Selbsthilfe und dem Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für Menschen mit Sinnesbehinderungen in Essen. Das Projekt wird seit 2015 von der AOK Rheinland/Hamburg und der AOK NordWest gefördert. Mit beherztem Engagement haben es sich die Beteiligten zur Aufgabe gemacht, die familienorientierte Selbsthilfe für taubblinde Kinder, Frauen und Männer sowie deren Angehörige in Nordrhein-Westfalen zu aktivieren und zu stärken.  

Irmgard Reichstein, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Taubblindheit und Angehörige: „Taubblindheit ist eine besondere Form der Behinderung. Die Kommunikationseinschränkung fordert einen sehr hohen Aufwand an Unterstützung für den Betroffenen. Die Selbsthilfe ist oft die erste Anlaufstelle außerhalb der Familie, aber auch ein Sprungbrett für weitere Teilhabe außerhalb der Selbsthilfe, weil Selbstbewusstsein aufgebaut wird und der Mut wächst, Wünsche entstehen zu lassen. Isoliert in der Familie ist der Alltag oft von Passivität, Abwarten und Langeweile geprägt.“

Frau Bruns, Projektleiterin, verdeutlichte die lebenswichtige Notwendigkeit der Selbsthilfe für die in NRW ca. 1900 lebenden taubblinden Menschen. Etwa 400 Betroffene davon sind bekannt und haben über die Aktivitäten der Selbsthilfe innerhalb des Projektes den Weg in die Selbsthilfe gefunden. Einige sind aktiv geworden, einige haben eigene Gruppen gegründet. Mit Freude über die erzielten Erfolge ergänzt Frau Bruns: "Doch ganz so einfach ist es nicht. Kommunikations- und Mobilitätsprobleme erschweren die Arbeit der Selbsthilfeaktivitäten. Ohne Finanzierung der Taubblindenassistenz und professionelle Unterstützung ist eine stabile Selbsthilfearbeit nicht zu leisten. Gemeinsam mit allen Verantwortlichen muss deshalb überlegt werden, wie diese Unterstützung auch in Zukunft gewährleistet werden kann“.

Auf dem Markt der Möglichkeiten stellten sich die Selbsthilfegruppen in ihrer Vielfalt vor. Der Film (s. oben) zeigt eindrucksvoll die Aktivitäten und Möglichkeiten der Selbsthilfe. Eine besondere Erfahrung erlebten die Besucher im Sinnesparcours, der vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für Menschen mit Sinnesbehinderungen aus Essen angeboten wurde.

Im Dialog mit Vertretern der Ministerien aus NRW, des Landschaftsverbandes Rheinland, der Wissenschaft und den Förderern und Trägern des Projektes sollte es Antworten auf die Frage geben wie die erforderlichen Unterstützungsleistungen erreicht werden können, damit die Selbsthilfe taubblinder Menschen in NRW gesichert und ausgebaut werden kann. In den Wortbeiträgen wurde sehr deutlich, dass der finanzielle Aufwand für eine gelungene TBL-Selbsthilfearbeit wesentlich höher ist als bei anderen Gruppen. Folgende Bedarfe Wurden deutlich:

  • Professionelle Unterstützung bei Organisation, Mittelbeantragung und Planung
  • Taubblindenassistenz und Dolmetschung bei der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen
  • Verfügbarkeit von Assistenz und Finanzierung - wesentlich hier die Schaffung eines klaren Berufsbilds Taubblindenassistenz
  • Rechtzeitige Unterstützung der Betroffenen, insbesondere nach der Diagnose (Beratung, psychologische Unterstützung)
  • Stabilisierende psychologische Angebote
  • Ausweitung des Projekts auf andere Bundesländer
  • Sicherstellung von Dolmetschung z.B. im Krankenhaus

Vieles ist bereits auf dem Weg, die Universität Köln arbeitet im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales an einem Berufsbild, die Chancen auf weitere Ausbildungslehrgänge für Taubblindenassistenz stehen gut und die AOK will sich weiter in der Stärkung der Selbsthilfe taubblinder Menschen engagieren. Ein schönes Ergebnis dieser Fachtagung!

Die Teilnehmer nahmen nach einer gelungenen Fachtagung vielfältige Eindrücke und sicher eine gemeinsame Erkenntnis mit: Selbsthilfe bietet den Menschen eine besonders gute Chance, sich über alle wichtigen Themen, angefangen von Hilfsmitteln bis hin zu der Heilung von psychischen Erkrankungen auszutauschen, sich aktiv einzubringen, Dinge zu unternehmen. Sie schafft Lebensfreude, verbessert Lebensqualität und fördert somit die Gesundheit. Die Selbsthilfe ist für taubblinde Menschen ein Weg aus der Isolation.

Wir danken allen Beteiligten für Ihre Mitwirkung!

Wer gute Laune sucht, der schaue sich doch einmal diesen wunderbaren Film der Usher-Jugend an!